Ignorierte Gefahr: Türkische Rechtsextreme in Deutschland stärker als die NPD

Graue Wölfe, Türkische Rechtsextreme in Deutschland, NPD, ATIB, Zentralrat der Muslime in Deutschland

Eine Gruppe Jugendlicher macht den Wolfsgruß – das Zeichen der rechtsextremen türkischen „Grauen Wölfe“.

Spätestens seit der Armenien-Resolution des Bundestages ist klar geworden: In Deutschland herrscht ein bislang ignorierter und gefährlicher türkischer Rechtsextremismus – von der deutschen Politik etabliert – der immer mehr den Alltag jener bedroht, die der türkischen Regierung kritisch gegenüberstehen.

Der Grünen-Chef Cem Özdemir kann in Berlin kaum noch Taxi fahren. Immer wieder wird er von ultranationalistischen türkischstämmigen Taxifahrern angegangen. Insbesondere seit der Deutsche Bundestag im Juni 2016 fast einstimmig beschlossen hat, den Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in der Türkei als solchen anzuerkennen und zu verurteilen.

In Deutschland wird die Zahl türkischer Nationalisten auf über 20.000 geschätzt, die sich in Vereinen der rechtsextremen Grauen Wölfe organisieren. Von dieser Bewegung geht eine Ideologie aus, die als integrationshemmend bewertet wird und die Bildung von Parallelgesellschaften in Deutschland fördert. Zu den hiesigen Organisationen die dem türkischen Nationalismus zuzurechnen sind zählen insbesondere die „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.“ (ATIB) mit Sitz in Köln, der „Verband der türkischen Kulturvereine in Europa“ (ATB) und die „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“ (ADÜTDF) mit Sitz in Frankfurt am Main. Letztere übersteigt übrigens in ihrer Mitgliederzahl die NPD und gilt damit als die mitgliederstärkste rechtsextreme Organisation in Deutschland.

Etabliert von der deutschen Politik und dem BND

1978 wurde ADÜTDF, die Auslandsabteilung der türkisch-nationalistischen MHP, ausgerechnet mit Unterstützung der deutschen Politik gegründet. Der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU) und der Schwalbacher CDU-Stadtverordnete und Türkei-Experte des Bundesnachrichtendienstes (BND) Dr. Hans-Eckhardt Kannapin halfen bei der Etablierung des rechtsextremen türkischen Vereins in Deutschland.

Über Kannapin bekamen der Vorsitzende der ADÜTDF Lokman Kundakci sowie sein Nachfolger Musa Serdar Çelebi Scheinarbeitsplätze in Deutschland. Dr. Kannapin hatte für diesen Zweck bei sich zu Hause eine Briefkastenfirma, ein angebliches „Türkei-Institut“, eingerichtet wo die beiden Funktionäre der rechtsextremen türkischen „Grauen Wölfe“ als „wissenschaftliche Mitarbeiter“ angestellt wurden. Auf diese Weise war es für sie möglich eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland zu erhalten und ungestört ihrer Vereinsarbeit nachzugehen.

Aufgrund ihrer angepassten Vereinsstrukturen, die nach außen hin völkerverständigende Charakteristika und soziale Komponenten aufweisen, sind Vereine türkischer Nationalisten, zu denen auch einige Moscheen gehören, in Deutschland nur schwer erkennbar. Durch das Eintreten in Parteien wie die CDU oder SPD wird versucht Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen. Auch finden sich ihre Mitglieder in Integrationsräten, so etwa in Hamm oder Duisburg.

Rechtsextreme Organisation ist Gründungsmitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland

Die von den nordrhein-westfälischen, hessischen und bayerischen Innenministerien als rechtsextrem eingestufte ATIB ist Gründungsmitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) und zudem ihr stärkstes Mitglied. Mehmet Alparslan Çelebi ist im Vorstand der ATIB und ebenso stellvertretender Vorsitzender des ZMD. Ganz ungeniert wird somit vom ZMD öffentlich ein Mitglied einer rechtsextremen Organisation als Stellvertreter des Vorsitzenden Aiman Mazyek präsentiert.

Die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch eine entsprechende Bundestagsresolution am 2. Juni 2016, die von einem Großteil der Türken abgelehnt wird, führte zu Beleidigungen und Morddrohungen gegenüber türkischstämmigen Abgeordneten des Bundestages seitens türkischer Nationalisten. Kritiker sprachen daraufhin von der Existenz einer rechtsradikalen „türkischen Pegida“ in Deutschland, die im Vergleich zur „deutschen Pegida“ aggressiver und selbstbewusster auftrete.

(Bei der Etablierung der „Grauen Wölfe“ in Deutschland haben 1978 der Türkei-Experte des BND und der bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß geholfen, sagt der Histotiker Nikolaus Brauns.)

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