Türkische Vereine schicken Leugner des Völkermords an Armeniern durch deutsche Städte

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Genozid-Leugner Norman Stone lehrt seit 2005 an der Istanbuler Koç-Universität

In Hamburg beginnt am Mittwoch den 18. April die Veranstaltungsreihe eines rassistischen Vereins.

von Nick Brauns

Armenische Verbände in Deutschland zeigen sich empört über eine Veranstaltungsreihe mit einem bekannten Leugner des türkischen Völkermords an den Armeniern. Kurz vor dem armenischen Genozidgedenktag am 24. April soll der schottische Historiker Norman Stone »den türkischen Standpunkt konkretisieren«. So heißt es in der Einladung der »Union Europäisch-Türkischer Demokraten« (UETD), eines Lobbyverbands der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Der an der Istanbuler Koc-Universität lehrende frühere Berater der britischen Thatcher-Regierung, Stone, hat sich die türkische Staatsräson zu eigen gemacht, wonach es sich nicht um einen Genozid, sondern um kriegsbedingte Umsiedlungen der christlichen Armenier aufgrund angeblichen Landesverrats gehandelt habe. Es sei eine »vertretbare These«, nur von »550.000 Deportierten« zu sprechen, von denen 50.000 umkamen, behauptet Stone. Er beruft sich auf den heute den faschistischen Grauen Wölfen angehörenden ehemaligen Leiter des amtlichen Instituts für türkische Geschichte, Yusuf Halacoglu. Internationale Historiker sprechen von über einer Million Opfern.

Die vom rassistischen »Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks« unterstützte Vortragsreihe beginnt am Mittwoch an der Universität Hamburg, am Donnerstag soll eine Veranstaltung an der Berliner Humboldt-Universität stattfinden und am Sonntag eine abschließende im Münchner Völkerkundemuseum. Dessen stellvertretender Direktor Wolfgang Stein verteidigte das, weil es der »Meinungsvielfalt« diene. »Ein derartiger Pluralismus ist jedoch bei Verbrechen wie Völkermord nicht am Platz«, protestiert die »Arbeitsgruppe Anerkennung – Gegen Genozid, für Völkerverständigung« (AGA) in einem Brief an den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD).

Deutsche Offiziere leisteten 1915/16 als Militärberater Beihilfe bei den vom damals in der Türkei herrschenden »Komitee für Einheit und Fortschritt« angeordneten mörderischen Deportationen der Armenier in die mesopotamische Wüste (link). Viele Armenier wurden zudem als Zwangsarbeiter beim Bau der Bagdadbahn durch ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank ausgebeutet. Im Reichstag protestierte als einziger Abgeordneter der Sozialist Karl Liebknecht gegen diese Verbrechen im verbündeten Osmanischen Reich.

(Quelle: Die Tageszeitung junge Welt)

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15 Gedanken zu “Türkische Vereine schicken Leugner des Völkermords an Armeniern durch deutsche Städte

  1. „Die vom rassistischen »Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks« “

    Ich bitte Euch, Leute!!! Ich bin kein Rassist und ich kenne viele Armenische und Aramäische Türken, und habe auch kein Problem mit den!!! Wenn, aber der „Verrein zu Föderung des Gedankenguts Atatürks“ rassistisch wäre würden unsere Armenische Freunde nicht kommen und mit uns Diskutieren. Daher bitte ich Euch, lasst uns die Geschichte Zusammen auf Arbeiten und nicht und Niedermachen!!!

    • Das Sie die eigenständigen Volksgruppen der Armenier und Aramäer als „armenische und aramäische Türken“ bezeichnen gibt mir zu denken… Aber das nur nebenbei.

      Eine gemeinsame Aufarbeitung wie sie es sagen hört sich erstmal sicherlich richtig an, doch hat die Türkei bislang nicht den Eindruck gemacht als wolle Sie dies tun. Auch besteht seitens der Armenier und am aller wichtigsten seitens der internationalen Geschichtswissenschaft kein Bedarf an einer erneuten Aufarbeitung, denn dies ist bereits seit langem Geschehen. Einzig und allein bei den Türken hat dies bislang nicht stattgefunden, weil kein Interesse besteht und man lieber auf seiner eigenen Sicht der Dinge beharrt und die der internationalen Geschichtswissenschaft einfach strikt als „Lüge“ bezeichnet und genau dies macht auch Herr Stone. Darum besteht verständlicherweise, außer für die türkische Bevölkerung, ansonsten kein Interesse an den oben genannten Vorträgen von Herrn Stone.

  2. Lassen Sie uns doch den Mann anhören was er uns noch zu sagen hat. Im übrigen der Bericht ist leider voller Vorurteile gegen türkische Vereine sowie Institute, so kommen wir nicht weiter. Wenn wir die Geschichte aufarbeiten wollen dann müssen wir uns alle beiden Seiten anhören, ohnen wenn und aber.

    • „der Bericht ist leider voller Vorurteile“ ist doch etwas übertrieben… Das einzige was als „Vorurteil“ durchgehen könnte wie sie es beschreiben, wäre das eine Wort „rassistisch“ in Bezug auf den Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks. Doch selbst hier ist die Beurteilung des Autors Nick Brauns sicherlich richtig. Denn ein Verein der einen offensichtlichen Genozid-Leugner der Opfer eines Völkermords leugnet auf Tour schickt, ist leider nicht anders zu bezeichnen als „rassistisch“.

      In dem Rest des Artikels sind keine Vorurteile zu finden sondern Schilderungen von Tatsachenbeständen.

  3. @ Nabuk: Alle beide Seiten wurde angehört und man kam zu dem Ergebnis das es Völkermord war. Die Türkei und die Türken wollen dies jedoch nicht akzeptieren. Die Gründe dafür werden in anderen Artikeln hier auf Haypress sehr schön beschrieben. Denn die Leugnung dieses Völkermords hat was mit der türkischen Identität und der Staatsgründung der heutigen Türkei zu tun.

    Doch wie gesagt, die Mehrheit der internationalen Historiker weltweit sagt dass es ein Völkermord war und nur darauf kommt es an.

    Völkermord an den Armeniern – Anerkennung vs. Leugnung

  4. eben nicht. Das erste Land das den Armenischen Genozid anerkannt hat war übrigens Urugay! Die Armenier verhalten sich in ihren jüngeren Geschichte genau so wie sie es den Türken vorwirft (verbrechen Balkan, Georgien, Armenische Legion, Verbrechen in Aserbaidschan etc. )
    Die verbrechen an den Juden sind gut Dokumentiert und daher werden die Gesuche der Kneset auch immer wieder ignoriert….

    Ein Land das sich so repräsentiert und Historischefakten ignoriert hat nichts anderes zu erwarten.

    Aghet, pro Armenische Verbände sind kein Maßstab. Die breite Masse sieht die Ereignisse eben nicht als Genozid an,

    Vermutlich wird dieser Post auch gelöscht ist mir aber recht egal :)

    • Behauptungen wie „Die breite Masse sieht die Ereignisse eben nicht als Genozid an“ sind für mich immer wieder ein großes Rätsel.

      Selbst für mich als Nicht-Armenierin ist es sehr einfach herauszufinden und zu erkennen dass die Mehrheit es eben doch als Genozid ansieht. Dies wird auch so gut wie in jedem Artikel den man finden kann, außer er stammt von türkischen Quellen, so beschrieben. Ich habe mir die Gegenüberstellung des obigen Videos „Völkermord an den Armeniern – Anerkennung vs. Leugnung“ angeschaut. Dort ist deutlich zu sehen dass mehr als 200 internationale Historiker und Genozidforscher, darunter sogar etliche türkische Historiker die Ereignisse als Genozid klassifiziert haben und nur eine Hand voll Historiker im Vergleich (ca. 10) sagen das es kein Genozid war. Das sie dann tatsächlich behaupten „Die breite Masse sieht die Ereignisse eben nicht als Genozid an“ ist mir ein völliger Rätsel und sehr unverständlich.

      Dies beweist doch eigentlich nur, wie resistent die türkische Seite gegen die Realität des Völkermords ist.

      Zu empfehlen:
      – Warum ist es für die Türkei so schwierig, sich dem Thema des Genozids an den Armeniern 1915 zu stellen?
      https://haypressnews.wordpress.com/2012/04/12/der-volkermord-an-den-armeniern-und-wie-die-turkei-damit-umgehen-sollte/

      – Der Gründungsmythos der Türkei beruht auf einem Völkermord
      http://aghet1915.wordpress.com/der-grundungsmythos-der-modernen-turkei-als-nationalstaat-beruht-auf-einem-vokermord/

  5. vermutlich haben sie einmal „Aghet“ gesehen oder die Past & Copy Artikel im WEB 2.0. Allein die Tatsache das die sogenannten „Vernichtungsbefehle“ oder alle anderen belastenden Dokumente durchgängig als gefälscht entlarvt wurden muss schon sehr belastend sein.

    Es muss auch ein schlag ins Gesicht für die Juden sein wenn die Armenier versuchen irgendwelche „Dolchstoß“ oder andere Legenden bzw. Links zum Holocaust herstellen zu wollen, vor allem wenn man in betracht zieht das Armenische Legionen im Osten aktiv bei der Vernichtung von Minderheiten für ihr Großarmenien waren.

    Ich sehe es einfach so Armenien ist und war noch nie in der Position sich hinzustellen und nach Forderung zu schreien. Es reicht einfach dazu in der jüngeren Geschichte Armeniens zu schauen. Wie gefährlich diese Diaspora und Armenische Geschichtsdichtung ist zeigt der Fall Breivik der z.B. dies als Grund für seine Taten nennt.

    Die Türkei mag Nationalistisch sein, ist jedoch Meilenweit weiter wie Armenier in Sachen Aufarbeitung…

  6. Ich schalte mich an dieser Stelle mal ein. Das ist ja nicht anzuschauen was die Leugner-Seite hier von sich gibt. Ich lebe in Brandenburg und der Völkermord an den Armeniern wurde ausführlich im Unterricht behandelt. Ihre Aussage, alle belastenden Dokumente seien durchgängig gefälscht ist an Dreistigkeit und Unverschämtheit eigentlich kaum zu übertreffen. Mit dieser Aussage haben Sie sich selbst ins Aus geschossen und für eine weitere sachliche Diskussion disqualifiziert. Sehr gefährlich ist dabei auch die Tatsache mit welcher Überzeugung sie diese Unwahrheiten von sich geben.

  7. allein der Begriff ‚rassistisch‘ ist eine reine Unterstellung und eine Provokationstaktik. Aus diesem Grund,kann ein Mensch, mit einem gesunden Menschenverstand zu dieser Äußerung nur ganz gelassen heran gehen. Wir wissen, dass es laut der Satzung des Vereines und Arbeitsprogramms mit dieser Aussage hier nicht übereinstimmt. So mit aus der Sicht des Vereines ist das nachzuweisen und zu beweisen. Vielleicht sollte der Verein UETD Bayern mal endlich diese Sache juristisch ermitteln lassen, in dem die Medienorgane und Einrichtungen mit einem solchen Propaganda dem Verein versuchen zu schaden. Warum auch immer!
    Der Verein ist ein offener Verein, aber bis jetzt hat sich kein Medien außer türkische Medien persönlich blicken lassen, hat nur über Gerüchte und übers Hören gehandelt! Ich frage mich wo bleibt das analytische Wissen?
    Der Zweck des Konferenzes ist ja eben es offen besprechen, aber wenn schon im Voraus mit Vorurteilen und Versuchen der Verhinderungen an die Sache heran gegangen wird, und einen psychischen Druck ausgeübt wird, kommt mir logischerweise die Frage: Was wollt ihr den damitüberhaupt erreichen? Wir wollen es besprechen was habt ihr den dagegen? Warum wird jetzt so einen Aufstand gemacht? Ihr seid nicht mal bereit euch es anzuhören, da kann doch etwas nicht stimmen oder?

  8. Mit welcher Qualifizierung „bewertet“ ein Nick Brauns oder ein Hinz & Kunz einen Wissenschaftler wie Norman Stone , ein weltweit anerkannter Historiker und Oxford-, Cambridge, und Koc – Professor?

    Es gefallen „Nick Brauns“ lediglich nicht die Ergebnisse des Wissenschaftlers, weshalb er zu Beleidigungen und Diffamierungen greift. Das nennt man Meinungsdiktatur. Nick Brauns sollte nach Nordkorea umziehen. Alle möglichen türkischen Vereine „rassistisch“ zu nennen, zeigt, dass Nick Brauns selbst rassistisch ist. Für diesen beleidigenden Artikel sollten die Vereine diesen „Autor“ verklagen.

  9. hirte, glauben Sie eigentlich alles, was Sie erzählen? Man kann alles vergessen, verkaufen, täuschen… aber nicht die eigene Seele. Sie achten selbst Ihren Allah nicht

  10. Allein die türkischen Versionen reichen nicht, um die Wahrheit zu vertuschen. Auch die intellektuellen Türken haben es anerkannt. Es ist Zeit auf zu wachen!

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