Kurdische Vereine beteiligen sich an Gedenkveranstaltungen zum Völkermord an den Armeniern

Armenier Kurden Armenien Völkermord Gedenktag 24. April Türkei TürkenDer 24. April steht kurz bevor. Dies ist das Datum an dem 235 Intellektuelle Armenier im Jahre 1915 in Konstantinopel (heute Istanbul) verhaftet und ermordet wurden. Die Armenier gedenken weltweit jedes Jahr am 24. April an den Beginn des Völkermords an über 1,5 Millionen ihrer Vorfahren.

Die kurdische Dachorganisation „YEK-KOM – Föderation der kurdischen Vereine in Deutschland e.V.“ präsentierte in einer Erklärung vom 16. April ihre Solidarität mit den Armeniern und kündigte ihre Beteiligung an den Gedenkveranstaltungen der Armenier am 24. April an.

Nachfolgend die vollständige Erklärung:

24. April – Gedenktag an den Völkermord am armenischen Volk. Gegen Genozid, Verleugnung und Zwangsassimilation

Der 24. April ist der Gedenktag an den Völkermord am armenischen Volk. An diesem Tag im Jahr 1915 begannen die Deportationen von Armeniern aus Konstantinopel (Istanbul). Dies war der Beginn eines Genozids an über einer Millionen Armenier im Osmanischen Reich. Unterstützt wurde das jungtürkische Regime von seinem deutschen Waffenbruder. Armenische Zwangsarbeiter wurden mit der Bagdadbahn in die mesopotamische Wüste — in den Tod — deportiert. Deutsche Diplomaten breiteten einen Mantel des Schweigens über die vor ihren Augen begangenen Massaker an einem christlichen Volk aus, um das strategische Kriegsbündnis mit dem osmanischen Reich nicht zu gefährden.

Bis heute weigert sich die türkische AKP-Regierung, die Tatsache des Völkermordes einzugestehen. Wer von einem Genozid spricht, wird wegen „Verunglimpfung des Türkentums“ verfolgt. Der türkische Innenminister Idris Naim Sahin trat am 26. Februar auf einer nationalistischen Kundgebung in Istanbul auf, auf der antiarmenische Parolen gerufen und der Mörder des 2007 ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink gefeiert wurde.

Die Türkische Republik wurde nicht nur auf den Knochen und dem Blut der vertriebenen, beraubten und ermordeten Armenier und anderer christlicher Minderheiten errichtet. Auch der Geist des Völkermordes blieb in der Türkischen Republik am Leben. Im Namen des Türkentums wurden und werden alle anderen Bevölkerungsgruppen verleugnet, zwangsassimiliert, vertrieben und ermordet. Auf die Verfolgung und Ermordung der Armenier, Aramäer und Assyrer folgten die Verfolgung und Ermordung der Kurden, vor allem mit anderen Glaubensrichtungen wie Eziden und Aleviten. Hunderttausende wurden in den 20er und 30er Jahren vertrieben und ermordet. Weitere 40.000 Kurden wurden in den letzten 30 Jahren getötet und Millionen vom Militär aus ihren Dörfern vertrieben. Auch die AKP-Regierung setzt diese Politik der Verleugnung und Zwangsassimilation im Namen des Türkentums fort. Auf den physischen Genozid folgt der politische Genozid. 7000 kurdische Politiker und zivilgesellschaftliche Akti
visten — darunter 6 Abgeordnete und 31 Bürgermeister — wurden in den letzten 3 Jahren inhaftiert. Bauern werden aus der Luft bombardiert, Kinder in Gefängnissen gefoltert und vergewaltigt. Aleviten müssen zwangsweise den sunnitisch-islamischen Religionsunterricht besuchen. In alevitischen Dörfern werden Moscheen gebaut, während alevitische Cem-Häuser bis heute keinen offiziellen Status besitzen. Während der Prozess gegen die faschistischen Mörder von Sivas, die 33 alevitische Künstler und Intellektuelle verbrannten, eingestellt wurde, werden an mehreren Orten alevitische Häuser mit roter Farbe markiert – als Drohung und Vorbereitung neuer Massaker.

Im Gedenken an die Opfer des Armeniergenozids und zum Zeichen der Geschwisterlichkeit der Völker wird sich die Föderation der kurdischen Vereine in Deutschland YEK-KOM mit ihren Mitgliedsvereinen an den Gedenkveranstaltungen unserer armenischen Freunde am 24. April beteiligen.

So wie kein Opfer jemals vergessen wird, werden auch die Täter nicht in Vergessenheit geraten.

YEK-KOM Föderation der kurdischen Vereine in Deutschland e.V.

Düsseldorf, 16 April 2012“

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6 Gedanken zu “Kurdische Vereine beteiligen sich an Gedenkveranstaltungen zum Völkermord an den Armeniern

  1. Dabei geschach es zum größtenteil zwischen den Kurden und Arnmeniern. Beim Aufstand und bei der Zusammenarbeit der Armeniern mit den russischen und französichen Besatzer wurden mehr Kurden als Türken durch armensichen bewaffneten Freischärler getötet. Mehr kurdische als türkische Dörfer von Armeniern überfallen und massakiert mit dem Ziel dieses Gebiet von Muslimen zu säubern und Armenien zu errichten. Damals wurde dieses Gebiet von Armeniern beansprucht und jetzt wird dasselbe Gebiet als Kurdistan genannt. Als der Staat dann nach dem Krieg Armeniern egal ob sie mit Russen und Frazosen zusammengearbeitet haben und bewaffnet gegen die türkische Armee gekäömft haben oder nicht umgesiedelt wobei viele Armenier starben. Hunderttausende wurden umgesiedelt meistens nach jetzigem Libanon und Syrien wo damals noch der Türkei gehörte. Unterwegs starben viele durch Krankheiten und Überfälle (aus Rache) durch die Kurden. Jetzt sollen die Kurden zusammenhalten mit den Armeniern? Das ganze geschah doch in dem Gebiet das jetzt Kurdistan genannt wird. Da sieht man schon den Wiederspruch.

    • Wenn es um Kurden geht ist alles ein Widerspruch.
      Hauptsache Türkei, Osmanen und Türken und nebenbei Islam oder Atatürk.
      Ich kann nur sagen, lernt etwas aus der europäischen Geschichte, vor allem von den Deutschen, die ihr Verbrechen erkannt und bearbeitet haben.
      Lernt etwas von Ihnen statt gegen alles zu sein, was nicht türkisch ist.
      Last euch von Diktatoren nicht verarschen, den dadurch leiden eure Kinder auch, nicht nur Ihr.
      Eigentlich schreibe ich keine Kommentare, aber vielleicht hilf es einigen Menschen, damit sie in Frieden zusammen leben können.

  2. @ Gazi Anztepli: Dein Beitrag spiegelt sehr gut die türkische Sicht der Dinge wieder die auch nur von Türken und einigen wenigen internationalen Historikern (von denen wiederum einige für türkische Institutionen arbeiten) so gesehen wird.

    Die Mehrheit der internationalen Geschichtswissenschaft und Historiker widerspricht deinem geschriebenen und nennt die Ereignisse 1915 „Völkermord“.

    Wenn du genau wissen möchtest welche und wie viele Historiker und Genozidforscher weltweit das als Völkermord bezeichnen und wie wenige es wie du im Vergleich entgegen aller Beweise/Dokumente/Berichte aus den verschiedensten Archiven leugnen, dann empfehle ich dir folgende Gegenüberstellung der einzelnen Positionen:
    Völkermord an den Armeniern – Anerkennung vs. Leugnung

  3. Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelthema und belegen Sie Tatsachenbehauptungen mit entsprechenden Quellen. Bitte beachten Sie zukünftig, dass die Kommentarfunktion im Rahmen der Netiquette stattfindet. Danke, die Redaktion

  4. In Deutschland und in den Ländern die sich mit dem Völkermord befasst haben gibt es kaum jemanden, außer Türken und Azerbaidjaner, die den Völkermord an Armeniern, Aramäern/Assyrern und Pontius-Griechen leugnen… Normalerweise sollte das einem zu denken geben. Doch erstaunlicherweise lassen sich die meisten Türken dadurch nicht beirren und ignorieren weiterhin unter anderem die Tatsache, dass die Archive des damaligen Verbündeten und Mitschulidgen am Völkermord, das Kaiserreich Deutschland, eindeutig dokumentieren dass ein Völkermord stattgefunden hat.

    Die Identität der Türken, ihr Nationalstolz und ihr Gründungsmythos lässt nicht zu dass sie die Wahrheit des Völkermords akzeptieren weil es sonst ihr Bild der heutigen „unbeflekten“ Türkei völlig zum Einsturz bringen würde.

    Doch zumindest ist es immer offensichtlicher, dass die Intellektuelle Elite der Türkei immer weniger bereit ist die türkische Version der Geschichte zu akzeptieren.

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