Algerien will nicht als Argument im Völkermordstreit herhalten

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Ahmed Ouyahia, Ministerpräsident Algeriens

ALGIER. – Im Streit mit Frankreich über den Völkermord an den Armeniern sollen türkische Stellen nicht länger die Geschichte Algeriens erwähnen.

Journalisten gegenüber sagte der algerische Ministerpräsident Ahmed Ouyahia am Samstag, dass Algerien seine Freunde in der Türkei gebeten habe, die Kolonialzeit Algeriens in dem Streit nicht mehr zu erwähnen. Die Türkei solle aufhören, sich einen politischen Vorteil aus der Tötung von Tausenden von Algeriern verschaffen zu wollen.

Die Aufforderung erfolgte in Folge des kontinuierlichen Angriffs der Türkei auf Paris im Vorfeld einer bevorstehenden Senatswahl zum französischen Gesetzesentwurf, nach dem die Leugnung des Genozids an den Armeniern durch die jungtürkische Regierung im Jahre 1915-1917 eine Straftat darstellt.

Die Türkei hat Frankreich Scheinheiligkeit vorgeworfen auf Grund von Tötungen in der Kolonialzeit in Algerien 1945 und in Nordafrika 1954-1962. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warf Frankreich vor, während seiner 132-jährigen Kolonialherrschaft über Algerien selbst einen Völkermord verübt zu haben.

»Schätzungsweise 15 Prozent der algerischen Bevölkerung wurde von Frankreich im Jahre 1945 massakriert. Das ist ein Genozid.« sagte Erdogan.

Ouyahia kritisierte weiter, dass jedes Land das Recht habe seine eigenen Interessen zu verteidigen, aber niemand habe das Recht, einen Nutzen aus dem vergossenen Blut der Algerier zu ziehen.

Der französische Senat wird Ende Januar über den Gesetzesentwurf abstimmen. Falls dieser gebilligt wird, ist in Zukunft die Leugnung des Völkermords an den Armeniern mit einem Jahr Haft und 45.000 € Bußgeld zu bestrafen.

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