WE TV: Armenier, Kurden und die Homogenisierungspolitik der Türkei [Video]

völkermord armenier Leugnungspolitik türkeiIn der »WE TV«-Sendung vom 27.09.2011 geht es um die Folgen nationaler Homogenisierungspolitik, anhand des Völkermordes an den Armeniern und der Unterdrückung der kurdischen Minderheit in der Türkei und Syrien.

Gäste: Prof. Dr. Elke Hartmann (Osmanistin an der FU Berlin), Siamond Hajo (Kurdologe), Steffen Reich (ehemaliger Bildungsminister von Brandenburg)
Das Gespräch dreht sich um die historischen Ursachen der Diskriminierung beider Völker und um deren Folgen für die Entwicklung der Armenier und Kurden. Steffen Reiche erläutert, warum er die Aufarbeitung des Genozids, der weiterhin von der türkischen Regierung verleumdet wird, in den Lerhplan deutscher Schulen fordert. Als weiteres Hintergrundsmaterial werden zwei Personenporträts gezeigt. Zum einen spricht der kurdische Filmemacher Miraz Bezar darüber, wie er die Unterdrückung seines Volkes in seinem ersten Spielfilm „Min Dit – die Kinder von Diyarbakir“ (2010) zum Thema macht. Auf Festivals in der Türkei wurde der Film bereits heiß diskutiert. Es ist der erste Film, der in kurdischer Sprache gedreht wurde.
Das andere Personenporträt handelt von der Armenien-Französin Christine Gardon, deren Großvater Victor Gardon den Familienroman „Le Vanetsi“ über den Genozid in der armenischen Hauptstadt Van geschrieben hat.

Wodurch begründet sich die Leugnungspolitik der Türkei bezüglich des Völkermords an den Armeniern?

»Letztlich gründet die heutige Republik Türkei auf einer Homogenisierungspolitik im Ausgang des Osmanischen Reiches. Der heutige türkische Nationalstaat gründet sich auf dem Völkermord an den Armeniern und der Vertreibung der Griechen in dem so genannten Bevölkerungsaustausch. Die Logik der nationalen Homogenisierung wird immer noch fortgesetzt. Die größte Gruppe die das heute betrifft sind die Kurden, die in der frühen Republikzeit und bis in die jüngste Zeit einer massiven, auch teilweise gewaltvollen, Assimilierungspolitik unterworfen sind. Eine Anerkennung des Völkermords an den Armeniern würde bedeuten, die Fundamente des heutigen türkischen Nationalstaates in Frage zu stellen, die Politik die nach wie vor ununterbrochen fortgesetzt wird in Frage zu stellen. Es würde nochmals die Frage aufwerfen, ob ein so rigider Zentralismus wie er im Osmanischen Reich angestrebt wurde und heute in der Türkei angestrebt wird, eine passende Form ist für diese Region Kleinasien, Anatolien. Eine Anerkennung würde also die Grundfeste der türkischen Nation und des türkischen Staates erschüttern.«

– Prof. Dr. Elke Hartmann, Osmanistin an der FU Berlin

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